Heizungsanlagen - für Laien erklärt
Heizungsanlagen - für Laien erklärt

Das Heizkörper-Thermostatventil

1. Die Aufgabe des  Heizkörper-Thermostatventils

 

Das Heizkörper-Thermostatventil soll und kann eine vernünftige Heizungsregelung  z.B. eine Vorlauftemperaturregelung nicht ersetzen, sondern nur ergänzen. Es  soll die Einflüsse auf die Raumtemperatur, die im Raum entstehen z.B.  Sonneneinstrahlung, Beleuchtung, Kochgeräte, kurzzeitige Lüftung usw. ausgleichen und dadurch die gewünschte Raumtemperatur konstant halten.

Beispiel: Angenommen, ein Heizkörper ist mit einem  Heizkörperventil ohne Thermostatkopf (ähnlich wie ein „Wasserhahn“ am Waschbecken) ausgerüstet und das Ventil ist halb geöffnet.

Die  Wärme, die jetzt durch die Außenwand und die Fenster verloren geht (je kälter  es draußen ist, desto mehr Wärme geht verloren), wird durch die Vorlauf­temperaturregelung  ausgeglichen und muss hier nicht be­trachtet werden. Wird nun im Raum selbst  Wärme erzeugt, z. B. durch Beleuchtung, Koch­geräte, Bügeleisen, PC, Kerzen,  elektrisches Kamin­feuer, Sonnen­einstrahlung, Wärmeabgabe durch Menschen usw.,  steigt die Raum­temperatur. Jetzt muss von Hand das Heizkörperventil etwas zurück gedreht werden.  Wenn dann einige dieser Wärmeerzeuger aus­fallen, muss das Heizkörperventil  wieder von Hand etwas aufgedreht werden. Wird der Raum durch Öffnen der Fenster kurzzeitig belüftet, sinkt die Raumtemperatur. Jetzt muss das Heizkörperventil  weiter auf­gedreht und nach kurzer Zeit wieder zurück gedreht werden. So muss das Heizkörperventil ohne  Thermostatkopf ständig von Hand nach­ge­stellt werden. Diese Funktion übernimmt  beim Heizkörper-Thermostat­ventil der Thermostatkopf.

2. Aufbau und Funktionsweise eines  Heizkörper-Thermostatventils

Bild 1: Aufbau eines  Heizkörper-Thermostatventils

Ein Heizkörper-Thermostatventil besteht aus dem Ventilunterteil oder Ventilkörper  und dem Thermostatkopf.

Durch  das Ventilunterteil strömt das Heizungswasser. Mit Hilfe eines Ventilstößels  wird ein Ventilteller gegen den Ventilsitz bewegt und so der Durchsatz des  Heizungswassers geregelt.

Das  funktioniert im Prinzip genau­so wie beim Auf- und Zudrehen eines „Wasserhahns“  am Waschbecken. Der Thermostatkopf beinhaltet aber im Gegensatz zum Griff eines  Wasserhahns eine Patrone, die mit einem sich durch Erwärmung ausdehnenden Ausdehnungs­medium  (Gas oder Flüssigkeit, im Bild grün) gefüllt  ist. Steigt die Temperatur in der Um­gebung des Thermostatkopfes, dehnt sich das  Ausdehnungsmedium aus und drückt auf den Ventilstift (im Bild rot) des Ventilunterteils. Dadurch wird der Heizwasser­durchsatz  verringert und die Wärmeabgabe des Heiz­körpers sinkt. In der Umgebung des  Thermostatkopfes sinkt daraufhin die Temperatur und die Patrone im  Thermostatkopf zieht sich wieder zusam­men. Der Ventilstift folgt mit Hilfe  einer Feder der sich zurückziehenden Patrone, was den Heizungswasserdurchsatz  wieder ansteigen lässt. Eine höhere Wärme­abgabe ist die Folge. Über einen  längeren Zeitraum betrachtet, wird über diesen Mechanismus die Raumtemperatur  konstant gehalten.

3. Die Einstellung der  Thermostat-Heizkörperventile

 

Die  meisten Hersteller versehen die Einstellskala ihrer Ventile nicht mit  Temperaturen, sondern mit einer Skala von 1 bis 5. Ein Sternchen (Eiskristall)  symbolisiert die Frostschutzstellung.

 

Welche  Zahl dabei welcher Temperatur entspricht, hängt ab von

  • den Raumabmessungen (Länge und Breite des Raumes)
  • der Lage des Thermostat-Heizkörperventils (direkt am Heizkörper oder  davon entfernt, unter dem Fenster oder an einer Innenwand, in einer Nische oder  hinter einer Verkleidung usw.)
  • der Art des Heizkörpers

 

Bei der Wahl  des Heizkörper-Thermostatventils ist darauf zu achten, dass der Thermostat die  Raumluft ungehindert erfassen kann. An Wänden ohne Nische oder Fensterbank kann das Standard-Thermostatventil mit eingebautem Fühler eingesetzt werden.

Ist eine Fensterbank zu tief (tiefer als ca. 22 cm)  oder der Abstand zwischen Fensterbank und Heizkörper zu gering (kleiner als ca.  10 cm) oder wird das Thermostatventil durch Möbel oder Vorhänge verdeckt, staut  sich die Wärme am Thermostatventil. Der Fühler erfasst eine zu hohe Raumtemperatur und signalisiert dem Ventil, die Heizwasserzufuhr zu  stoppen - der Raum kühlt ab.Hier sollte ein Thermostatventil mit separatem  Fühler eingesetzt werden.

Dieser Fühler ist über ein dünnes Kapillarrohr  mit dem Thermostat verbunden, wird jedoch dort angebracht, wo er die  Zimmertemperatur ungehindert erfassen kann.

 

Bei  der Mittelstellung, Stufe 3, wird im Allgemeinen eine Temperatur von 20 °C  erreicht. Ein Skalenteil nach oben, Stufe 4, bedeutet eine Temperaturerhöhung  von etwa 3 Grad. Ein Skalenteil nach unten entspricht einer Verringerung auf  etwa 17 °C. Wenn  man durch Ausprobieren die Stufe, mit der die gewünschte Raumtemperatur  eingehalten werden kann, gefunden hat, sollte man die Einstellung nur noch  ändern, wenn die Raumtemperatur z. B. bei längerer Abwesenheit abgesenkt werden soll. Beim Wiederaufheizen sollte man dann nicht über die ermittelte Einstellung hinausgehen, weil dadurch kein schnelleres Aufheizen erreicht wird. Es besteht vielmehr die Gefahr, dass der Raum überheizt wird.

4. Thermostat-Heizkörperventile mit Voreinstellung

 

Moderne Heizkörperventile haben eine „Voreinstell-Skala“, mit der man die Wassermenge, die durch den Heizkörper fließen soll, voreinstellen, d. h. begrenzen kann. Dadurch  wird vermieden, dass Räume selbst bei ganz offenen Heizkörperventilen überheizt werden. Außerdem kann der hydraulische Abgleich der gesamten Heizungsanlage  sehr fein einge­stellt werden. Die Voreinstellung sollte jedoch nur vom  Fachmann durchgeführt werden, weil dadurch die Heizkörperleistung und der hydraulische Abgleich stark beeinflusst werden.  

Bild 2:  Heizkörper-Thermostatventil ohne Thermostatkopf mit Voreinstell-Skala

Das  Bild zeigt ein am Heizkörper eingebautes Heizkörper-Thermostat­ventil, jedoch  ohne Thermostatkopf. Mit dem roten Ring kann die Durchflussmenge voreingestellt  und dadurch der hydraulische Abgleich unterstützt werden. Wenn der Ventilstift -  wie im Bild - ganz ausge­fahren ist, ist das Ventil geöffnet, der Heizkörper wird von der maximalen Wassermenge durchströmt. Durch den Thermostatkopf wird  der Ventil­stift je nach Bedarf ins Ventil gedrückt, dadurch wird die Durchfluss­menge geregelt.

Bei  Beginn der Heizperiode bleibt oft die Heizung kalt, obwohl das  Heizkörper-Thermostatventil geöffnet ist. Das kommt in der Regel davon, dass der Stift, der das Ventil öffnet, festsitzt.

Abhilfe: Thermostatkopf durch Lösen der Überwurfmutter abschrauben. Dann liegt das  Ventil mit dem Ventilstift offen (wie im  Bild 2). Nun mit kleinen leichten Schlägen auf den Stift klopfen. Fast immer löst sich durch den Überdruck im Heiz­wasser­kreislauf der Ventilsitz. Der Stift springt heraus. Dann das Thermostatgehäuse wieder aufschrauben und nun kann man wieder regulieren.

Jürgen Wüst

Dipl.-Ing. (FH)

 

20.8.2013

Besucher seit Juni 2013

Druckversion Druckversion | Sitemap
© 2012-2016 Jürgen Wüst, Nürnberg