Heizungsanlagen - für Laien erklärt
Heizungsanlagen - für Laien erklärt

Die "Bereitstellungsleistung" in Wärmelieferverträgen

In vielen Wärmelieferverträgen sind in der Berechnung der Wärmepreise [Euro pro Kilowattstunde] [€/kWh] Kosten für die Bereitstellung der Wärmeleistung enthalten. Damit lässt sich das Wärmelieferungs­unternehmen die Leistung, die sie dem Verbraucher zur Verfügung stellt, bezahlen.

Beispiel: Ein Gebäude hat einen Wärmebedarf von 100 kW. Das bedeutet, dass dieses Gebäude bei der niedrigsten Außentemperatur, die laut Wetteraufzeichnungen zu erwarten ist, 100 kW Wärmeleistung benötigt, um es verbrauchsgerecht zu beheizen. Diese Wärmeleistung stellt das Wärmelieferungsunternehmen dem Verbraucher jederzeit zur Verfügung. Obwohl diese Leistung nur an ganz wenigen Stunden im Jahr – oft sogar gar nicht – in voller Höhe benötigt wird, verrechnet das Wärmelieferungsunternehmen dem Verbraucher die 100 kW als „Bereitstellungsleistung“.

Durch diese Bereitstellungsleistung wird dem Wärmelieferungs­unternehmen vergütet, dass es Wärmeerzeuger (z. B. Kohle-, Atom- oder Wasserkraftwerke), Rohrleitungen, Messgeräte usw. in ausreichender Größe zur Verfügung stellt und betreibt.

 

Oft ist es jedoch so, dass die Bereitstellungsleistung für ein Gebäude erheblich größer ist als die tatsächlich benötigte Wärmeleistung. Die häufigsten Ursachen dafür sind:

 

  • eine ungenaue Wärmebedarfsberechnung mit vielen „Angstzuschlägen“
  • eine Senkung des Gebäude-Wärmebedarfs durch nachträglich aufgebrachte äußere Wärme-dämmung
  • nachträglicher Einbau von besser isolierenden Fenstern
  • die Winter sind nicht mehr so kalt wie früher
  • eine effektivere Regelung der Heizungsanlage
  • ein verbrauchsbewusstes Heizverhalten der Verbraucher

Einen Anhaltspunkt, wie hoch die maximal benötigte Wärmeleistung eines Gebäudes ist, liefert die VDI-Richtlinie 2067. Mit ihr kann man aus dem Jahres-Wärmeverbrauch eines Gebäudes [kWh/Jahr] die maximal benötigte Wärmeleistung und somit die erforderliche Bereitstellungs­leistung überschlägig ermitteln.

VDI 2067

 

 

 

 

QN

=

QH

 

VH · fV

 

 

 

 

 

 

QN [kW]                   Norm-Gebäudeheizlast 

                                entspricht der maximal   

                                benötigten Wärmeleistung

 

QH [kWh/Jahr]         Jahres-Heizwärmeverbrauch

 

VH [Stunden/Jahr]   Vollbenutzungsstunden für        

                                Düsseldorf        

                                nach VDI 2067 Blatt 2 = 2000

                                      [h/a]

 

fV                             Umrechnungsfaktor für  

                                andere Städte als Düsseldorf

                                nach VDI 2067 Blatt 2

                                fV = 1,124 für Nürnberg

Beispiel:

Aus der Heizkosten-Jahresabrechnung eines Gebäudes in Nürnberg kann man entnehmen, dass das Gebäude 243.000 kWh Heizwärme im Jahr verbraucht hat. Wie groß ist die maximal benötigte Wärmeleistung des Gebäudes?

Das Gebäude hat eine maximal benötigte Wärmeleistung von 108 kW. Eine Bereitstellungs-leistung von 110 kW erscheint ausreichend.

Fazit:

Man sollte immer anhand der Heizkosten-Jahresabrechnung und der VDI 2067 die benötigte Bereitstellungsleistung berechnen und mit der tatsächlichen Bereitstellungsleistung, die das Wärmelieferungsunter­nehmen in Rechnung stellt, vergleichen.

Falls die in Rechnung gestellte Bereitstellungsleistung nicht aus der Heizkosten-Jahresabrechnung entnommen werden kann, sollte sie beim Wärmelieferungsunternehmen angefordert werden.

Auszug aus einer Heizkosten-Jahresabrechnung:

Aus dieser Heizkosten-Jahresabrechnung geht hervor, dass 333 kW Bereitstellungsleistung verrechnet wurden.

Bei einem Jahreswärmeverbrauch von 23,597 + 323,275 MWh = 346.872 kWh würde in Nürnberg eine Bereitstellungsleistung von

also 155 kW ausreichen.

Dadurch könnte man (333 – 155) kW x 25,50 €/kW = 4.539 € + 19% MWSt = 4539 + 862,41 € = 5401,41 € an jährlichen Heizkosten einsparen.

Jürgen Wüst

Dipl.-Ing (FH)

22.11.2016

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